Tortour de Ruhr 2026 – Adieu Edition: Joana und Jan-Philipp bei der letzten TTdR
Es war das Ende einer Ära: Die Tortour de Ruhr feierte in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum – und verabschiedete sich gleichzeitig für immer. Zum zehnten und letzten Mal führte die legendäre Nonstop-Ultramarathon-Serie vom Ursprung der Ruhr im Sauerland bis zur Mündung in Duisburg. Unter dem Motto „20 Jahre TTdR – Adieu Edition“ gingen 359 Läuferinnen und Läufer auf drei Distanzen an den Start – und zwei davon trugen das Trikot der Lauffreunde Bönen: Joana Flanse über die 100 Kilometer und Jan-Philipp Struck über die volle Distanz von 230 Kilometern – von der Ruhrquelle in Winterberg bis zur Rheinorange in Duisburg.
Jan-Philipp Struck – 85 Kilometer Kampf bis Wickede
Für Jan-Philipp war es bereits der dritte Anlauf auf die Königsdistanz der TTdR. 230 Kilometer, von der Ruhrquelle in Winterberg bis nach Duisburg – eine der härtesten Nonstop-Strecken Deutschlands. Und wieder einmal sollte es kein einfaches Rennen werden.
Ungewöhnlich hohe Temperaturen machten dem gesamten Feld zu schaffen – und Jan-Philipp bildete da keine Ausnahme. Nach rund 85 Kilometern und 10:33 Stunden in den Beinen – von Winterberg bis nach Wickede – musste er schweren Herzens aufgeben. Ein Abbruch, der sicher wehtut.
Und dennoch: Wer schon einmal 85 Kilometer bei extremer Hitze am Stück zurückgelegt hat, weiß, was das bedeutet. Das ist keine Niederlage – das ist Respekt vor dem eigenen Körper. Die nackten Zahlen sprechen außerdem für sich: Von 112 Startern auf der 230-km-Distanz kamen lediglich 51 Läufer ins Ziel. Jan-Philipp ist damit in bester Gesellschaft derer, die alles gegeben haben.
Joana Flanse – Starkes Finish in Duisburg
Erschöpft, müde, mit schweren Beinen – aber mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht: Um 18.33 Uhr erreichte Joana Flanse am Sonntag die Rheinorange in Duisburg-Kaßlerfeld. 100 Kilometer lagen hinter ihr, gelaufen in starken 13:33:16 Stunden. Das bedeutete Platz sieben bei den Frauen und Rang 39 insgesamt beim „Bambini-Lauf“ der legendären Tortour de Ruhr.
Für die 25-Jährige von den Lauffreunden Bönen ging damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Die TTdR zählt zu den längsten Nonstop-Ultramarathons Deutschlands und führt vom Ursprung der Ruhr im Sauerland über den Ruhrtalradweg bis zur Mündung in Duisburg. In diesem Jahr fand die Veranstaltung nach 20 Jahren und zehn Ausgaben zum letzten Mal statt – für Flanse also die letzte Chance, sich ihren Wunsch zu erfüllen.
Wie üblich war der Start nur auf Einladung oder Empfehlung möglich. Zudem legten die Organisatoren großen Wert auf ausreichende Ultra-Erfahrung. Die Bönenerin entschied sich für die kürzeste Strecke, die sie bereits im Vorjahr beim „Bremen–Sankt-Pauli“-Lauf gemeinsam mit Lauffreundin Jenny Kneer in 13:47 Stunden bewältigt hatte.
Die „Tortour“ begann für Joana Flanse am Sonntag schon mit dem Aufstehen. Um 3.15 Uhr klingelte der Wecker im Hotel in Herdecke, um 5 Uhr fiel der Startschuss. Da waren die 230-Kilometer-Läufer bereits seit elf Stunden unterwegs.
Flanse fand schnell ihren Rhythmus und legte bei noch angenehmen Temperaturen ein hohes Tempo vor. Ihre Crew, die sie an mehreren Punkten mit Wasser, Elektrolyten, Wundsalbe und Snacks versorgte, musste den ersten geplanten Stopp sogar verlegen – sie war zu schnell am 33-Kilometer-Punkt vorbeigelaufen.
Nach 50 Kilometern nahm sie das Tempo etwas heraus. Die Sonne brannte inzwischen unbarmherzig auf den weitgehend unbeschatteten Radweg, die Temperaturen stiegen auf über 30 Grad – und blieben es bis zum Ziel. Dennoch kämpfte sich Flanse weiter, zeigte große mentale Stärke und ließ sich auch von längeren Abschnitten in der sengenden Hitze nicht entmutigen.
Unterwegs unterstützten sich die Läuferinnen und Läufer immer wieder gegenseitig. Auch die Crews feuerten nicht nur ihre eigenen Athleten an. Für zusätzliche Motivation sorgten die ehrenamtlichen Helfer an den Verpflegungspunkten, die mit viel Herzlichkeit, Getränken und Speisen zur Stelle waren.
Trotz aller Unterstützung wurde es auf den letzten Kilometern zäh, wie Flanse berichtet. „Ich war noch nie so glücklich, eine Wand anfassen zu können“, sagt sie über den Moment, als sie endlich die Rheinorange berührte – das Ziel einer Tortur, die ihrem Namen zum Abschied noch einmal alle Ehre gemacht hat.
