45. NN Marathon Rotterdam
Manchmal brauchen Träume etwas länger. Seit etwa zehn Jahren stand der Rotterdam-Marathon ganz oben auf Todt G. Willingmanns Prioritätenliste – immer wieder verhindert durch Terminüberschneidungen oder ein längst ausgebuchtes Starterfeld. In diesem Jahr klappte es endlich: Todt stand am Fuß der Erasmusbrücke und lief gemeinsam mit Zehntausenden von Läufern aus aller Welt beim 45. NN Marathon Rotterdam.
Der schnellste und schönste Marathon der Niederlande
Der NN Marathon Rotterdam zählt zu den bedeutendsten Marathons Europas und gilt als der schnellste und zugleich schönste Marathon der Niederlande. Seit seiner Gründung im Jahr 1981 hat sich der Lauf zu einer internationalen Großveranstaltung entwickelt, die regelmäßig Weltklasseathleten anzieht. Die flache, schnelle Strecke durch das Herz Rotterdams – vorbei an modernen Hochhäusern, Grachten und Wahrzeichen wie der Erasmusbrücke und dem Feijenoord-Stadion – macht sie zu einem idealen Kurs für Bestzeiten. Kein Wunder, dass hier bereits mehrfach Weltrekordversuche unternommen wurden. Der Hashtag #demooiste – „der Schönste“ – ist dabei mehr als nur ein Marketingslogan: Er spiegelt das wider, was Hunderttausende Zuschauer und Zehntausende Läufer jedes Jahr aufs Neue erleben.
In diesem Jahr führte der Veranstalter erstmals ein neues Anmeldeverfahren ein: Aufgrund der enormen Nachfrage wurde das Starterfeld per Vorregistrierung und Verlosung vergeben – ein Zeichen dafür, wie begehrt Startplätze beim Rotterdam-Marathon inzwischen sind.
Eine Vorbereitung mit Höhen und Tiefen
Die Vorbereitung verlief alles andere als reibungslos. Wetteränderungen, wechselnde Trainingsleistungen und wiederkehrende orthopädische Probleme sorgten für Unsicherheit. Ein 37-km-Lauf vier Wochen vor dem Start lief noch problemlos – eine Woche später waren bereits 20 km eine echte Herausforderung. Todt war sich daher bewusst, dass das angestrebte Ergebnis nicht garantiert war.
Ein Rennen zwischen Euphorie und Kampfgeist
Start war um 10 Uhr bei sonnigem, teilweise warmem Wetter mit kühlem Wind – ideale Marathonbedingungen. Todt entschied sich bewusst, das Rennen im reinen Wohlfühltempo anzugehen – ohne auf die Uhr zu schauen, ohne außer Puste zu geraten. Die Strategie zahlte sich aus: Er konnte schrittweise Tempo aufnehmen und schließlich sogar die 3:30-Pacemaker hinter sich lassen.
Die Atmosphäre war überwältigend. Dicht an dicht standen die Zuschauer entlang der gesamten Strecke, die Stimmung am Feijenoord-Stadion war besonders lautstark, und an jeder Ecke sorgten Musik und DJs für ein echtes Straßenfest. Es fühlte sich weniger wie ein Wettkampf an als wie ein riesiges gemeinsames Erlebnis.
Ab Kilometer 25 meldeten sich dann jedoch die ersten Probleme: Muskelverhärtungen in beiden Oberschenkeln sowie der Piriformis-Muskel zwangen Todt zu Gehpausen. Mit noch 17 Kilometern vor sich begann er zu rechnen – und stellte fest: Ein Zieleinlauf unter vier Stunden war weiterhin möglich, wenn er klug vorginge. Was folgte, war ein Wechsel aus Laufen, Gehen und dem eisernen Willen, das Ziel zu erreichen. Unterwegs sah er Läufer, die mit ähnlichen Problemen das Rennen aufgeben mussten – er ging auf Nummer sicher.
Auf den letzten Kilometern gab er noch einmal alles. Sein Entschluss war klar: Für diesen Marathon und diese letzten Kilometer nochmal volles Commitment – und dann ist es auch gut.
Fazit
Todt überquerte die Ziellinie unter vier Stunden – und war trotz der schwierigen zweiten Hälfte zufrieden mit seinem Ergebnis.
Sein persönliches Fazit bringt es auf den Punkt: Wer auf Party und Ankommen steht, ist in Rotterdam goldrichtig. Mehr Stimmung und mehr Zuschauer gibt es kaum. Wer hingegen auf Geschwindigkeit aus ist, sollte sich weit vorne einreihen – weiter hinten im Feld ist es schlicht zu voll, um sein volles Potential abzurufen.
Sein Ergebnis:
Willingmann, Todt G.; Marathon; 3:49:10 Std.; Platz 80 M60; Platz 5118 Männer
